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Abenteuer Ecuador

Ecuador, wir kommen! Zusammen mit 11 anderen werde ich im Sommer für 3,5 Wochen nach Ecuador reisen, mir dort verschiedene soziale Projekte anschauen und an einem Workcamp teilnehmen.
Dieses Wochenende hat sich unsere Reisegruppe zum ersten Mal getroffen und wir haben 1,5 Tage im Kloster Bad Tölz verbracht, um uns kennenzulernen, die Erwartungen für die Reise abzustecken und erste Planungen vorzunehmen. Ich glaube, dass das ein gigantisches Projekt werden kann und freue mich riesig darauf!!!

3 Kommentare 3.12.06 16:58, kommentieren

Tragisch!

Hier mal einige Impressionen aus meiner momentanen Tätigkeit in der Werkstätte, alle Namen und Kürzel sind frei erfunden und decken sich nicht mit lebendigen Personen.
R. ist 28, ein Typ, nach dem die Frauen sich wohl mal den Hals verrenkt haben. Sein Lächeln lässt noch heute den Draufgänger erkennen. Im Gegensatz zu vielen anderen in der Werkstätte kann R. fließend lesen und schreiben, hat einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung zum KFZ-Mechaniker. Vor drei Jahren fuhr er nachts, leicht angetrunken, mit dem Auto von der Disco nach Hause, geriet auf die Gegenfahrbahn und wurde von einem Lastwagen mitgenommen. Jetzt sitzt R. im Rollstuhl, und auch sein Kurzzeitgedächtnis hat unter dem Unfall gelitten. Während er den ganzen Tag stupide Schrauben prüft, liegt immer ein Buch auf seinem Platz.

Auf den ersten Blick wirkt G. als könnte er weder sprechen noch viel denken. Die Arme in Wollhandschuhe gepackt und an den Rollstuhl angebunden, den Kopf unkontrolliert kreisend sitzt er da, und zieht mittels einer Luftsaugmechanik die an seiner Stirn befestigt ist, Lochkarten von einer Stanzmaschine. An einem meiner ersten Tage sehe ich ihn in der Mittagspause Schach spielen. D.h. er sagt die Züge an, die ein Betreuer für ihn ausführt. Er setzt den Betreuer matt und das mehrmals in Folge. Ich habe einige Tage gebraucht, um mich zu trauen ihn anzusprechen. Es dauert lange, bis die Worte kommen, doch die hauen einen um. Bei seiner Geburt bekam G. zu wenig Sauerstoff. Die Folge ist eine Spastik der schwersten Sorte. G. kann seine Arme nicht gebrauchen und damit er sich damit nicht selbst verletzt, sind sie in Wollhandschuhe gepackt und an den Rollstuhl gebunden.

Diese beiden Schicksale haben mich zutiefst erschüttert, und ich stelle es mir für diese beiden hellwachen Menschen unglaublich schwer vor, den ganzen Tag in einem Raum zu verbringen, der vom Geschrei und Gelalle der anderen erfüllt ist, und Tätigkeiten auszuführen, die ihrem Intellekt nicht entsprechen.

Vielleicht findet man einmal eine Möglichkeit, diese Menschen unabhängig von ihren körperlichen Gebrechen, mit Aufgaben zu betrauen, bei denen ihre Intelligenz gefordert wird.

1 Kommentar 4.12.06 16:45, kommentieren

Anonymer Adventswichtel unterwegs

Als ich am Samstag nach Hause kam, lag vor meiner Tür ein Paket. Darin ein Adventskalender. Aber keiner, den man in jedem Supermarkt kaufen kann, nein, meiner war unverkennbar selbst gemacht und auch selbst befüllt. Neugierig geworden suchte ich nach einem Hinweis auf den Schenker, fand jedoch keinen. Keine Karte, kein Hinweis auf dem Karton, nichts.
Die Inhalte in den einzelnen Kästchen sind witzigerweise sehr sorgfältig ausgewählt, und zwar von jemandem, der mich gut kennt. Meine Lieblingschokolade, ein Tütchen voll mit ausschließlich roten Gummibären, ein Päckchen Softies mit der Aufschrift "damit du immer eines bei dir hast".
Ich habe meine Eltern, Geschwister und engen Freunde bereits abgegrast, aber von denen war es keiner.
Lieber Adventswichtel, wenn du das liest, gib dich bitte zu erkennen, ich habe mich riesig gefreut! Und ich freue mich immernoch, jeden Morgen, wenn ich wieder ein Kästchen öffnen darf!

2 Kommentare 5.12.06 16:29, kommentieren

Tragisch! - Nachtrag

Ich kann nicht aufhören, von G. zu erzählen (siehe Beitrag "Tragisch!").
Heute war in unserer Gruppe eine kleine Adventsfeier mit Kuchen und Punsch für alle. Ich "durfte" G. füttern. Nein, ich ekle mich nicht vor dieser Arbeit, im Gegenteil ich mache es gerne, aber es ist so unglaublich schwer, einen erwachsenen Mann zu füttern. Nicht die Tätigkeit an sich, aber die Überlegungen die man dazu anstellt. Ihr wißt es alle selbst, gerade essen ist eine total persönliche Sache. Jeder mag andere Dinge in ganz eigenen Kombinationen, Mengen, Zeitabständen etc. Ich hatte die ganze Zeit Angst, irgendetwas falsch zu machen. Doch G., in seiner ureigenen Art, merkte das natürlich. Zuerst grinst er mich mit vollen Backen an, und dann kam einer der für ihn typischen Kommentare: "Keine Angst, wenn mir was nicht passt, scheiße ich dich höchst persönlich zusammen!" Einfach der Hammer, der Kerl.
Am Wochenende fährt er auf ein nationales Schachturnier. Man muss sich diesen unbändigen Lebenswillen vorstellen, in einer Welt, die es für diesen Menschen um ein hundertfaches schwerer macht. Da sollte man doch jedes mal, wenn man selber wieder am Sinn des Lebens oder seines Tuns zweifelt, ein schlechtes Gewissen bekommen.

7.12.06 16:38, kommentieren

Hilfe, wir werden erwachsen!

Gestern abend hab ich mich mit meinen Mädels zu unserem traditionellen Weihnachtsessen getroffen. Auch A. war dabei. A., die letztes Jahr im Sommer geheiratet hat, und schon einige Jahre nicht mehr in Erding, sondern mit ihrem Mann in Eichstätt lebt.
Als wir alle mit einem Gläschen Sekt anstoßen, bleibt A. bei O-Saft. Wenig später erwähnt sie dann, dass sie in "ihrem Zustand" kein Step-Aerobic mehr machen würde. Jetzt fällt der Groschen. Sie ist im fünften Monat schwanger. Voll im Nestbautrieb. Als wir nach dem Essen noch ein einen Club gehen, fährt sie lieber nach Hause.
Natürlich freue ich mich für sie, doch langsam macht sich Torschlusspanik breit. A. verheiratet und schwanger. C. kurz davor mit ihrem Liebsten nach Bamberg zu ziehen. Und ich als die älteste in unserem Clan bin chronischer Dauersingle und hänge so hin und wieder gerne mal eine Nacht in einem verrauchten Club ab. Forever young?

4 Kommentare 10.12.06 15:15, kommentieren